Kolonial. Globale Verflechtungen der Schweiz

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Ab dem 16. Jahrhundert waren Personen und Unternehmen aus der Eidgenossenschaft mit dem kolonialen System eng verflochten. Einzelne Schweizer Firmen sowie Privatpersonen beteiligten sich am transatlantischen Sklavenhandel und verdienten am Handel mit Kolonialprodukten und durch die Ausbeutung versklavter Menschen ein Vermögen. Schweizerinnen und Schweizer waren als Missionare auf der ganzen Welt unterwegs. Andere dienten, getrieben von Armut oder Abenteuerlust, als Söldner in europäischen Heeren, die koloniale Eroberungen machten und den Widerstand der indigenen Bevölkerungen bekämpften. Aber auch Fachleute aus der Schweiz stellten ihr Wissen in den Dienst der Kolonialmächte. An den Universitäten Zürich und Genf wurde zudem rassistisches Denken gelehrt, das international verbreitet wurde und der Legitimation des kolonialen Systems diente.

Basierend auf neusten Forschungsresultaten, anhand von konkreten Beispielen und illustriert mit Objekten, Kunstwerken, Fotografien und Dokumenten bietet die Ausstellung, zum ersten Mal in der Romandie, einen umfassenden Überblick über die koloniale Verflechtungsgeschichte der Schweiz. Mit Aktualitätsbezügen geht sie ausserdem der Frage nach, was das koloniale Erbe für die Schweiz der Gegenwart bedeutet. Die Ausstellung wurde 2024 im Landesmuseum Zürich gezeigt und wird in einer angepassten Form im Schloss Prangins präsentiert.

Schulunterlagen

Die Schulunterlagen dienen zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs und enthalten Lerneinheiten und Arbeitsblätter.

Diese Schulunterlagen wurden für die Ausstellung im Landesmuseum Zürich vorbereitet.

Medien

Kolonial. Globale Verflechtungen der Schweiz

Château de Prangins | 29.3.2026 - 11.10.2026
publiziert am 9.3.2026

Nach dem Landesmuseum Zürich nun im Château de Prangins in angepasster Form: Das Schweizerische Nationalmuseum präsentiert eine Ausstellung über die koloniale Vergangenheit der Schweiz und deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Basierend auf neusten Forschungserkenntnissen umfasst sie eine breite Palette an schriftlichen Quellen, Objekten, Kunstwerken und Fotografien.

Auch wenn die Schweiz streng genommen nie eigene Kolonien besass, gab es Einzelpersonen, Gruppierungen und Unternehmen, die direkt am europäischen Kolonisierungsbestreben beteiligt waren. Kolonial. Globale Verflechtungen der Schweiz bietet einen Überblick über dieses lange ausgeblendete Kapitel in der Geschichte des Landes.

Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert. Zunächst werden verschiedene Beispiele schweizerischer Beteiligung an unterschiedlichen kolonialen Kontexten -- von Amerika über Afrika bis nach Asien -- ab dem 16. Jahrhundert vorgestellt. Die Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in das Leben von Schweizer Privatpersonen und Einrichtungen, die sich am transatlantischen Sklavenhandel beteiligten oder durch den Handel mit mithilfe versklavter Menschen hergestellten Kolonialprodukten reich wurden.

Weitere Beispiele berichten von Schweizerinnen und Schweizern, die als Missionare in entlegene Weltregionen reisten oder ihre Heimat verliessen, um Siedlungskolonien zu gründen und Land zu bebauen, das den Einheimischen entrissen wurde. Dabei wurden diese Bevölkerungsgruppen manchmal sogar ausgerottet. Zudem dienten Tausende, getrieben von Armut oder Abenteuerlust, als Söldner in europäischen Heeren, die sich an blutigen Eroberungen beteiligten. In der Schweiz prägten schriftliche Berichte und Bilder aus den Kolonien die Wahrnehmung der Öffentlichkeit auf die Menschen in diesen Weltregionen, und sie verbreiteten und zementierten rassistische Stereotypen. Universitäten, etwa in Genf oder Zürich, entwickelten eine Rassenlehre, die international verbreitet wurde. Sie schuf eine Hierarchie unter den Völkern und diente als wissenschaftliche Legitimation für ein weltumspannendes Herrschaftssystem. Einen wichtigen Platz in der Ausstellung erhalten Beispiele und Protagonisten aus der Romandie, darunter Carl Vogt, David de Pury, die Mission romande, das Söldnerregiment de Meuron und der Abolitionist S. B. L. Frossard.

Der zweite Teil der Ausstellung hinterfragt die Bedeutung des kolonialen Erbes für die heutige Schweiz und seine globalen Folgen: struktureller Rassismus, ungleiche Reichtumsverteilung und Umweltprobleme, um nur einige zu nennen. Schliesslich wird das Publikum aufgefordert, sich Gedanken über zeitgenössische Themen zu machen, welche die Vergangenheit mit der Gegenwart verbinden, etwa die Präsenz von umstrittenen Statuen im öffentlichen Raum, und seine Meinung zu diesen Fragen zu teilen.

Bilder

Kolonialhelm

Kolonialhelm, wahrscheinlich Kongo, Ende des 19. Jahrhunderts.

© Musée d'ethnographie de Genève

Cian Dayrit

Cian Dayrit, Et hoc quod nos nescimus, 2018, Stickerei auf Stoff.

© NOME Gallery, Berlin

Fesseln für Füsse und Hände

Fesseln für Füsse und Hände aus der Sammlung der Basler Mission, Westafrika, vor 1900.

© Museum der Kulturen Basel

Mathias C. Pfund

Mathias C. Pfund, Great in the concrete, ex. 2/5, 2022, bronze.

© Schweizerisches Nationalmuseum

Tatiana Oberson

Leiterin Kommunikation, Marketing und Fundraising

Château de Prangins +41 22 994 88 68 tatiana.oberson@museenational.ch

Ausstellungskatalog

kolonial – Globale Verflechtungen der Schweiz

Die Schweiz ist seit dem 16. Jahrhundert global vernetzt und kolonial verflochten. Dieses Buch bietet einen Überblick zu diesem aktuellen Thema und ordnet eine Vielzahl von Aspekten dazu historisch ein. Die Texte ausgewiesener Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen behandeln Themen wie die Beteiligung von Schweizer Unternehmen am Handel mit versklavten Menschen, Schweizer Söldner im Dienst der Kolonialmächte, das koloniale Erbe der Schweizer Missionsgesellschaften oder die Forschungs- und Sammlungstätigkeit von Wissenschaftlern in ehemaligen Kolonien. Beleuchtet wird auch die Rolle der Anthropologischen Institute der Universitäten Zürich und Genf in der «Rassenforschung». Zur Sprache kommen schliesslich Fragen zu kolonialen Kontinuitäten.

Dieses Buch ist Einladung und Anregung dazu, die Verflechtungsgeschichte der Schweiz zu erkunden und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Gebunden, 288 Seiten, 56 farbige und 13 s/w-Abbildungen
16 x 23 cm, 664 g
ISBN 978-3-03942-210-4

Blogbeiträge zum Thema

Impressum

  • Gesamtleitung Schweizerisches Nationalmuseum Denise Tonella
  • Leitung Schweizerisches Nationalmuseum - Château de Prangins Helen Bieri Thomson
  • Aussstellungskurator/innen und Konzept Marina Amstad, Pascale Meyer, Raphael Schwere, Marilyn Umurungi
  • Projektleitung in Prangins Helen Bieri Thomson et Matthieu Péry
  • Szenografie Schmauder Und: Laura Murbach
  • Ausstellungsgrafik Schmauder Und: Claudia Schmauder
  • Wissenschaftlicher Berater Bernhard Carlos Schär
  • Wissenschaftlicher Beirat Carine Ayélé Durand, Jose Cáceres Mardones, Noémie Étienne, Kwamou Eva Feukeu, Rohit Jain, Georg Kreis, Cassandra Mark-Thiesen, Patricia Purtschert, Anna Schmid, Esther Tisa Francini, Sacha Zala, Roberto Zaugg
  • Finanzkontrolle Odile Rigalet
  • Bildung und Vermittlung Marie-Dominique de Preter, Ines Berthold
  • Texte in einfacher Sprache Marie-Dominique de Preter, Ines Berthold, Jonathan Fellay Relecture par l'Atelier 1001 feuilles
  • Technische Leitung und Beleuchtung Philippe Humm, André Schärer
  • Ausstellungsmobiliar Ebénisterie des Prés du Lac, l:Atelier: Joël Barret, Aider Stahl und Schweiss
  • Malerarbeiten Nigro & Fils Peinture Sàrl
  • Druckarbeiten Atelier Richard, Decora und BSR Imprimeurs SA Gland
  • Technische Beratung Werkbüro: Lene Heller
  • Konservatorische Leitung Véronique Mathieu, Ulrike Rothenhäusler
  • Konservierung und Objektmontage Anne Jurt, lona Leroy, Véronique Mathieu, Ulrike Rothenhäusler, Tino Zagermann
  • Logistik und Objektmontage Christian Affentranger, Simon d'Hollosy, Reto Hegetschweiler, Véronique Mathieu
  • Leihwesen Laura Mosimann, Cristina Kaufmann, Claudio Stefanutto
  • Fotografie Jörg Brandt, Felix Jungo
  • Filme Pasquale Pollastro, Danilo Rüttimann
  • Bildarchiv Andrea Kunz, Fabian Müller
  • ITI Web Günhan Akarçay, Thomas Bucher, Ueli Heiniger, Pasquale Pollastro, Danilo Rüttimann
  • Medienstationen Alex Baur, Ueli Heiniger
  • Videoinstallation Lomotion AG, Detlef Vögeli
  • Marketing und Kommunikation Tatiana Oberson, Sylvie Nickbarte
  • Werbegrafik Roli Hofer
  • Übersetzungen Claudia Grosdidier, Alessia Schiavon, Geoffrey Spearing
  • Empfangsdienst Jodie Aeschlimann, Véronique Laurent, Anita Racchetta
  • Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittler Luca Berini, Alice Breathe, Barbara Bühlmann, Marco Danesi, Noha El Sadawy, Sylvain Frei, Joachim Guex, Valérie Guillermin, Hester Macdonald, Maélys Mettler, Sylvie Nickbarte, Nathalie Pellissier, Matthieu Péry, Alessandro Ratti, Jawad Reddani, Stéphane Repas Mendes, Armelle Rachat, Stefano Torres, Anouk van Asperen, Geneviève Suillet, Anne Vernain-Perriot, Lisa N'Pango Zanetti, Fares Zemzemi 
  • Museum aan de Stroom (MAS), Anvers
  • Collectie Wereldmuseum, Amsterdam
  • Koninklijk MilitairTehuis voor Oud-Militairen en Museum Bronbeek, Arnhem
  • Mission 21, Basel
  • Historisches Museum Basel
  • Museum der Kulturen Basel
  • Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Basel
  • Öffentliche Bibliothek der Universität Basel
  • NOME, Berlin
  • Bernisches Historisches Museum, Bern
  • Burgerbibliothek Bern
  • Institut für Medizingeschichte, Bern
  • Naturhistorisches Museum Bern, eine Institution der Burgergemeinde
  • Schweizerisches Bundesarchiv, Bern
  • Rätisches Museum Chur
  • Musée militaire et des toiles peintes de Colombier
  • Dr. Patrick Minder, Fribourg
  • Archives contestataires, Genève
  • Bibliothèque de Genève
  • Musée d'ethnographie de Genève
  • Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
  • Musée d'art et d'histoire de Neuchâtel
  • Musée d'ethnographie de Neuchâtel
  • Marie Irène et Bernard Mivelaz, Prilly
  • La famille De Meuron, par voie du Service de la sécurité civile et militaire (SSCM)
  • National Military Museum, Soest
  • Kanton Nidwalden, Staatsarchiv, Stans
  • Musée historique de Vevey
  • Schweizer Finanzmuseum, Zürich
  • Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich
  • Völkerkundemuseum der Universitat Zürich
  • Zentralbibliothek Zürich 

Œuvres de | Kunstwerke von | Opere | Works by

  • Cian Dayrit
  • Mathias C. Pfund
  • Sandeep TK
  • Dom Smaz

Gianni D'Amato, Samuel Bachmann, Tomás Bartoletti, Nicole Baur, Debjani Bhattacharyya, Helen Bieri-Thomson, Martine Brunschwig Graf, Claudia Buess, Khady Camara, Sarah Csernay, Céline Eidenbenz, Rahel EI-Maawi, Hans Fässler, Matthieu Gillabert, Priska Gisler, Anja Glover, Alec von Graffenried, Mischa Hedinger, Marianne Helfer. Aline Helg, Stefan Hertwig, Rachel Huber, Rita Kesselring, Philipp Krauer, Mukesh Kumar, Dimitri Lab, Stefan Leins, Monique Ligtenberg, Naemi Lubrich, Rachel M'Bon, Patrick Minder, Patrick Moser, Kanyana Mutombo, Tarek Naguib, El Hadji Malick Ndiaye, Carin Oberhiinsli, Jean-David Pantet Tshibamba, Andrea Rhyn, Davide Rodogno, Fabio Rossinelli, Martin Roth, Hannan Salamat, Jovita dos Santos Pinto, Léonie Süess, Henri-Michel Yéré, Andreas Zangger, Marcel Zünd, Lukas Zürcher 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Rundtischgespräche in Zürich und Lausanne, 2022, Studierende des Fachbereichs Geschichte der Universität Basel, der ZHdK Zürich, der Universität Freiburg und der Universität Bern.

Kooperationen
TheMuseumsLab: Stefan Aue, Oris Malijani 
Institut Fondamental d'Afrique Noir (IFAN) 
Font: Favorit von Dinamo Typefaces 

Das Schweizerische Landesmuseum dankt der Ernst Göhner Stiftung und der Willy G. S. Hirzel Stiftung für ihre grosszügige Unterstützung.