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Kolonial. Globale Verflechtungen der Schweiz

Château de Prangins | 29.3.2026 - 11.10.2026
publiziert am 9.3.2026

Nach dem Landesmuseum Zürich nun im Château de Prangins in angepasster Form: Das Schweizerische Nationalmuseum präsentiert eine Ausstellung über die koloniale Vergangenheit der Schweiz und deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Basierend auf neusten Forschungserkenntnissen umfasst sie eine breite Palette an schriftlichen Quellen, Objekten, Kunstwerken und Fotografien.

Auch wenn die Schweiz streng genommen nie eigene Kolonien besass, gab es Einzelpersonen, Gruppierungen und Unternehmen, die direkt am europäischen Kolonisierungsbestreben beteiligt waren. Kolonial. Globale Verflechtungen der Schweiz bietet einen Überblick über dieses lange ausgeblendete Kapitel in der Geschichte des Landes.

Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert. Zunächst werden verschiedene Beispiele schweizerischer Beteiligung an unterschiedlichen kolonialen Kontexten -- von Amerika über Afrika bis nach Asien -- ab dem 16. Jahrhundert vorgestellt. Die Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in das Leben von Schweizer Privatpersonen und Einrichtungen, die sich am transatlantischen Sklavenhandel beteiligten oder durch den Handel mit mithilfe versklavter Menschen hergestellten Kolonialprodukten reich wurden.

Weitere Beispiele berichten von Schweizerinnen und Schweizern, die als Missionare in entlegene Weltregionen reisten oder ihre Heimat verliessen, um Siedlungskolonien zu gründen und Land zu bebauen, das den Einheimischen entrissen wurde. Dabei wurden diese Bevölkerungsgruppen manchmal sogar ausgerottet. Zudem dienten Tausende, getrieben von Armut oder Abenteuerlust, als Söldner in europäischen Heeren, die sich an blutigen Eroberungen beteiligten. In der Schweiz prägten schriftliche Berichte und Bilder aus den Kolonien die Wahrnehmung der Öffentlichkeit auf die Menschen in diesen Weltregionen, und sie verbreiteten und zementierten rassistische Stereotypen. Universitäten, etwa in Genf oder Zürich, entwickelten eine Rassenlehre, die international verbreitet wurde. Sie schuf eine Hierarchie unter den Völkern und diente als wissenschaftliche Legitimation für ein weltumspannendes Herrschaftssystem. Einen wichtigen Platz in der Ausstellung erhalten Beispiele und Protagonisten aus der Romandie, darunter Carl Vogt, David de Pury, die Mission romande, das Söldnerregiment de Meuron und der Abolitionist S. B. L. Frossard.

Der zweite Teil der Ausstellung hinterfragt die Bedeutung des kolonialen Erbes für die heutige Schweiz und seine globalen Folgen: struktureller Rassismus, ungleiche Reichtumsverteilung und Umweltprobleme, um nur einige zu nennen. Schliesslich wird das Publikum aufgefordert, sich Gedanken über zeitgenössische Themen zu machen, welche die Vergangenheit mit der Gegenwart verbinden, etwa die Präsenz von umstrittenen Statuen im öffentlichen Raum, und seine Meinung zu diesen Fragen zu teilen.

Bilder

Kolonialhelm

Kolonialhelm, wahrscheinlich Kongo, Ende des 19. Jahrhunderts.

© Musée d'ethnographie de Genève

Cian Dayrit

Cian Dayrit, Et hoc quod nos nescimus, 2018, Stickerei auf Stoff.

© NOME Gallery, Berlin

Fesseln für Füsse und Hände

Fesseln für Füsse und Hände aus der Sammlung der Basler Mission, Westafrika, vor 1900.

© Museum der Kulturen Basel

Mathias C. Pfund

Mathias C. Pfund, Great in the concrete, ex. 2/5, 2022, bronze.

© Schweizerisches Nationalmuseum

Tatiana Oberson

Leiterin Kommunikation, Marketing und Fundraising

Château de Prangins +41 22 994 88 68 tatiana.oberson@museenational.ch